Am 21.Feber, einem Sonntag begab ich mich auf die lange Reise nach München zum Finest Spirits Festival 2016 im MVG Museum. Die Reise alleine war schon interessant. Nach einer – nicht unerwarteten – Reisepasskontrolle am Salzburger Hauptbahnhof kam ich gegen 10:30 in München an. Am Bahnsteig wurde ich von einer Hundertschaft an Polizisten erwartet. Einige von ihnen sogar mit Heckler & Koch Maschinenpistolen. Mit solch einem Begrüßungskomitee hatte ich nicht gerechnet, aber die Damen und Herren der Münchner Polizei und des Grenzschutzes warteten auf den ICE der am Nachbargleis ein paar Minuten nach uns eintreffen sollte. Am Montag danach bestätigten mir zwei unabhängige Quellen, dass es möglicherweise auch Terrordrohungen gegeben haben könnte. Die Stimmung am Bahnhof war jedoch weder angespannt noch irgendwie bedrohlich. Ich habe mich jedenfalls die ganze Zeit über sehr sicher gefühlt. Nachdem ich mir eine Prepaid SIM Karte organisiert hatte habe ich mir den ersten Kaffee des Tages geholt, natürlich bei Starbucks. Nachdem ich die SIM Karte zum Laufen gebracht hatte entschied ich mich die Straßenbahn No.17 Richtung MVG Museum zu nehmen. Kaum war ich bei der Station angekommen fuhr auch schon eine – könnte schwören dass ich die Nummer 17 in roter Leuchtschrift auf der Straßenbahn gesehen habe – Straßenbahn ein. Es war natürlich die Linie 16, die vom gleichen Bahnsteig abfährt, aber das bemerkte ich erst später. Nachdem ich mir mit den letzten Münzen eine Fahrkarte in der Straßenbahn gekauft hatte genoss ich die Fahrt durch München. Nach einiger Zeit kam mir allerdings etwas Spanisch vor. Erstens dauerte die Fahrt zu lange. Mein Zeitgefühl ist recht gut ausgeprägt, ich musste nicht mal auf die Uhr schauen um das zu bemerken. Und zweitens konnte ich auf einer der Stationsanzeigen erkennen, wann die nächsten Straßenbahnen kommen sollten. Und dort waren nur Züge der Linie 16 angeführt… Ich bin also an der nächsten Station ausgestiegen und befragte mein iPhone. Ich habe nicht nur die falsche Linie erwischt, die Linie 16 fuhr auch noch in die falsche Richtung. Naja, mehr oder weniger. Ich war ziemlich genau 6km nördlich des MVG Museums. Wäre ich noch ein paar Stationen weiter gefahren, wäre ich noch weiter nördlich gewesen, da die Linie nach der Station einen Richtungswechsel von Osten nach Nord-Osten machte. Zeit hatte ich genug, also überlegte ich mir was ich als nächstes machen wollte.

Option A
Zurück zum Hauptbahnhof. Problem: Ich hatte kein Kleingeld mehr und etwas anderes nimmt der Automat in der Straßenbahn aber nicht. Ich hätte doch die beiden Tickets am Hauptbahnhof kaufen sollen (aber es waren mir zu viele Leute angestellt).

Option B
Egal, trotzdem mit der nächsten Straßenbahn zurück und hoffen keinen Kontroller zu erwischen. Nein, das wäre nicht mein Stil.

Option C
Zu Fuß zum Hauptbahnhof. Nein, besser direkt zum MVG Museum. Das Wetter war ganz in Ordnung, ein wenig windig aber nicht zu kalt. Und die 30 bis 45 Minuten Fußweg wären zeitlich kein Problem gewesen.

Option D
Uber ausprobieren. Ich konnte mich erinnern, dass ich noch 10€ in meinem Uber Konto haben müsste. Ob das allerdings noch gültig war – das war irgend eine Willkommensaktion als ich mich vor einiger Zeit angemeldet hatte – wusste ich nicht, aber nach einem kurzen Check stand fest: Das Guthaben gilt noch und die Fahrt würde 11 – 15€ kosten. Das nächste Fahrzeug war etwa 10 Minuten entfernt

Ich habe mich dann für Option D entschieden und meine Fahrt mit Uber bestellt. Keine 7 Minuten später kam dann auch meine Mitfahrgelegenheit. Begrüßt wurde ich ganz freundlich von einem netten älteren Herren aus Ungarn, wie ich während des Gesprächs am Weg zum MVG Museum erfuhr. Außerdem was es ein 5er BMW, und wie ihr wisst, mag ich BMW. Bezahlt habe ich schlussendlich etwa 13€, mit meinem Guthaben hat mich die Fahrt also in etwa das gleiche gekostet wie das reguläre Ticket. Ich war etwas früh dran und die – trotzdem sehr freundlichen – Securitymitarbeiter ließen mich noch nicht hinein. Aber es gäbe eine kleine Bäckerei in der Nähe, sagte man mir. Kaffee Nummer zwei des Tages. Als ich zurück kam, etwa 45 Minuten vor Öffnung der Veranstaltung, hatte sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Also habe ich mich brav angestellt und begonnen diesen Artikel zu schreiben. Einige der Wartenden hatten Koffer dabei und als wir uns auf der Messe wieder trafen stellten wir fest, dass ich nicht der einzige aus Wien angereiste Whiskyfan war. Wir haben uns möglicherweise auch auf der Wiener Whiskymesse 2015 im Acrotel bereits gesehen, jedenfalls waren wir uns dessen recht sicher. Und ich dachte, dass ich der einzige „Verrückte“ bin der extra aus Wien anreist. Sie waren sogar bereits am Samstag da, was die Koffer erklärte. Aber ich schweife ab, naja nicht wirklich aber trotzdem, zurück zur richtigen Reihenfolge (soweit ich mich noch erinnern kann, der Tag war relativ voll gepackt mit Whisky).

Dr.Rothe mit Helmut Knöpfler von Campari im Gespräch
Dr.Rothe mit Helmut Knöpfler von Campari im Gespräch

Einige Minuten später grüßte mich im Vorbeigehen auf dem Weg hinein Dr.Dr. Wolfgang F. Rothe, seines Zeichens Whisky-Vikar. Er war auf dem Weg um seine Benefizmasterclass vorzubereiten, die ich auch besuchen wollte. Da die Masterclasses an diesem Sonntag straff organisiert waren und nicht mit Verspätung beginnen sollten – diese sollte um Punkt Eins starten – kam der Whisky-Vikar ein paar Minuten später wieder hinaus und verteilte Eintrittskarten für die Masterclass, damit die Teilnehmer bereits früher hinein durften. Nachdem ich mir meine Akkreditierung geholt hatte, blieben mir etwa 15 Minuten bis zur Masterclass die ich nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte. Zuerst lief mir Andreas Scholz von „Woody’s – Edles aus Holz“ über den Weg. Bei „Woody’s“ bekommt man tolle Schreibsachen aus alten Whiskyfässern! Außerdem gelang es mir einen Nosingglas-Halter für den Hals von den tollen Leuten von der „Single Cask Collection“ (Österreichs größter unabhängiger Abfüller!) zu bekommen. Eigentlich hatte ich vor, die beiden Stände später noch zu besuchen, aber irgendwie ist mir dann die Zeit davon gelaufen. Gerne hätte ich mit Andreas Scholz ein Interview geführt, vor allem weil ich seine Idee toll finde und mir bereits seit längerem eine schöne Füllfeder kaufen möchte. Vielleicht gelingt es mir auf der nächsten „Pen-Show“ in Wien. Diese ist üblicherweise am 26.Oktober, also am Nationalfeiertag. Daher kann es keine Ausrede geben, nicht zu gehen. Naja, die Sache ist aber die: Ich komme erst am 26.Oktober wieder aus London zurück. Aber wenn die Öffnungszeiten so wie die letzten Jahre sind, sollte es sich ausgehen, dass ich zumindest kurz vorbei schaue. Ich schweife schon wieder ab. Punkt Eins begann also die erste der drei Masterclasses die ich gebucht hatte mit dem Whisky-Vikar. Über diese und die beiden anderen Masterclasses (Glenmorangie und Bruichladdich) schreibe ich aber in separaten Artikeln.

Nach dem Masterclassmarathon hatten der Whisky-Vikar und ich ein Treffen vereinbart. Das auffinden – wir hatten keinen spezifischen Ort ausgemacht – fiel uns sehr leicht, nachdem er auch bei der Bruichladdich Masterclass war und eine Reihe vor mir saß. Zuerst ging’s zum Medienzentrum der Messe – dem Stand von Finest Spirits. Dort hatte Wolfgang eine kleine Lesung aus seinem tollen Buch über die Spiritualität des Whiskys zu absolvieren. Hier habe ich eine kurze Rezension über das Buch geschrieben. Dort begrüßte mich auch Denis, der Mann hinter den Social Media Accounts von Finest Spirits. Bis dato hatten wir nur per Email wegen der Akkreditierung geschrieben. Nach ein paar Autogrammen beschlossen wir uns eine Zigarre und einen Whisky in der eigens dafür eingerichteten „Cigar-Lounge“ zu gönnen. Danke nochmals lieber Hochwürden Wolfgang für die vorzügliche – handgerollte – Macandu, sie war ausgesprochen lecker! Genau so wie der St.George’s Whisky den du mit hattest. Es handelt sich dabei um eine „Cask-sample“, die man nirgends anders bekommt als bei ihm. Solange halt noch was in der Flasche ist. Diesen haben wir auch bei seiner Masterclass verkostet. Dieser Artikel folgt noch! Obwohl Wolfgang und ich uns bereits von Facebook „kannten“ war dies unser erstes Treffen. Wir verstanden uns auf Anhieb und redeten wie man so schön sagt über „Gott und die Welt“. Obwohl wir „nur“ eine gute Stunde zusammen saßen fühlte es sich wie mehrere Stunden an. Normalerweise vergeht die Zeit sehr langsam wenn es langweilig ist, aber das komplette Gegenteil war hier der Fall. Ganz entspanntmit Whisky und Zigarre, redeten wir über allerhand Interessantes. Über die Whiskywallfahrt von ihm (leider schon komplett ausgebucht), über die aktuelle (Whisky & Kirchen) Situation in Deutschland, über persönliches –Whisky und nicht Whisky bezogen. Über die Begegnungen und Diskussionen die er tagtäglich hat. Sowohl im religiösen als auch im nicht-religiösen Umfeld. Jedermann scheint ihn zu mögen. Sogar die, die der Kirche eher gegenüber als zur Seite stehen. Aber dieser Umstand ist einfach erklärt. Wolfgang ist authentisch. Er ist direkt und ehrlich. Er ist offen für jedermann und bleibt seinen Prinzipien (trotzdem) treu. Ich bin stolz und fühle mich sehr geehrt, dass er sich so viel Zeit für mich genommen hat und wir ein sehr intensives und interessantes Gespräch führen konnten!

Doch zurück zur Whiskymesse. Die Atmosphäre war großartig. Und das obwohl (oder gerade deswegen?) sehr viele Menschen da waren. Laut Frank Böer waren an den drei Tagen über 10.000 Menschen da und es gab NICHT EINEN EINZIGEN alkoholbedingten Ausfall. Ich glaube mehr muss nicht gesagt werden, wenn sich so viele Menschen auf so wenig Fläche drängen und alles friedlich zu geht. Unglücklicherweise lief mir die Zeit davon und es sollte mir nicht gelingen alles anzusehen was ich mir vorgenommen hatte. Aber ein paar sehr nette und interessante Leute durfte ich trotzdem kennen lernen. So stellte mich Wolfgang, Helmut Knöpfle vor, seines Zeichens Brand Ambassador Whisk(e)y & Spezialitäten von Campari Deutschland! Standesgemäß bei einem Whisky, in diesem Fall ein The Balvenie, ich glaube die 17 jährige Sherryfass Abfüllung, ich hab vergessen mir eine Notiz zu machen… Aber er war köstlich, das spricht für ein Sherryfass, ich liebe Whiskys aus Sherryfässern. Natürlich mussten wir dann noch Frederick Wolff besuchen, ein Freund von Wolfgang und Gründer des „Single Malt Connoisseur’s Club München“. Der Club und sogar sein Unterschenkel sind in der aktuellen Ausgabe des Whiskybotschafters zu finden! Für alle die es nicht glauben können: Einfach Ausgabe 01-2016 zur Hand nehmen und Seite 6 aufschlagen. Unglaublich wie schnell aber auch wieder die Zeit vergehen kann, wenn man neue Leute kennen lernt und interessante Gespräche führt. Und je mehr Whisky involviert ist, desto schlimmer scheint es zu werden. Und Schokolade – danke Frederick, die war echt köstlich

Mein Resümee: Obwohl es sich beim Finest Spirits Festival nicht –nur- um Whisky dreht, die „Leitspirituose“ war heuer Wodka, glaube ich, die meisten Besucher waren Whiskyfans. Auch ich bin ein Whiskyfan aber ich mag auch andere Spirituosen. Und ich denke vielen auf dem Finest Spirits Festival geht es da genau so. Wie schon erwähnt war die Zeit zu knapp und die Aussteller zu zahlreich sodass ich das mir vorgenommene nicht schaffen konnte (nicht der Fehler des Finest Spirits Festival, sondern meiner!). Aber ich konnte Wolfgangs Masterclass besuchen, die für den Hospizverein Rammersdorf/Perlach gesammelt hat. 330€ wurden gespendet, eine großartige Sache! Außerdem konnte ich den Whisky-Vikar endlich persönlich treffen und noch einige weitere interessante Personen. Auf dem Weg zur Garderobe –mein Zug nach Wien wartete ja nicht extra auf mich- lief uns Frank Böer, Geschäftsführer von Finest Spirits, über den Weg. Von ihm erfuhr ich noch, dass es Pläne für ein Finest Spirits Festival in Wien gibt. Das freut mich natürlich sehr, auch wenn wir mit der Wiener Whiskymesse eine tolle Veranstaltung zum Thema Whisky haben. Aber leider gibt’s die nur alle zwei Jahre. Ich hoffe dass er es schafft, das Festival nach Wien zu bringen. Ich werde natürlich laufend darüber hier und auf meiner Facebookseite berichten!

Zum Schluss möchte ich noch über ein paar Produkte schreiben, die ich bei meiner Reise benutzt habe. Ich bin in keiner Weise mit diesen Firmen verbunden (außer, dass ich ihre Produkte nutze) und es sind auch (noch) keine Sponsoren. Alle benutzen (Marken) Namen können urheberrechtlich beim jeweiligen Hersteller geschützt sein. Ungeachtet dessen, dass ich jedes dieser Produkte selber kaufen musste, habe ich kein Problem damit, anderen über Dinge zu berichten die mir das Leben leichter machen. Vielleicht helfe ich jemandem damit auch sein Leben leichter wird oder vielleicht bekomme ich auf diesem Weg auch den einen oder anderen Sponsor.

Nummer Eins: Meine Bose QC15 Kopfhörer. Obwohl sie sehr teuer waren (und das Nachfolgermodell QC25 ist nicht viel günstiger) ist die aktive Geräuschunterdrückung jeden Cent wert! Letztes Jahr auf dem Weg nach London habe ich sie das erste Mal im Flugzeug getestet und jetzt auf dem Weg nach München hatte ich sie wieder dabei. Natürlich gewöhnt man sich an das monotone Hintergrundgeräusch, aber der Unterschied mit und ohne Kopfhörer (und eingeschalteter Geräuschunterdrückung) ist unglaublich! Natürlich gelingt es dem Kopfhörer nicht jedes Geräusch auszublenden, aber die Reduktion ist schon beachtlich!

Nummer Zwei: Meine (Kamera) Tasche. Ich habe mir vor einigen Montagen den ThinkTank Retrospective 7 gekauft, als ich von meinem DSLR System auf die Fuji X-Serie umgestiegen bin. Natürlich waren alle Taschen die ich bis dahin hatte viel zu groß für das kleinere System und daher habe ich mir auch eine passendere Tasche gekauft. Außerdem ist die Retrospective Serie darauf ausgelegt, nicht unbedingt als Kameratasche erkannt zu werden. Jedenfalls für den „normalen“ Beobachter, ein Fotograf wird sie vermutlich trotzdem erkennen. Aber die Tasche reduziert jedenfalls den „Ich bin ein Tourist/Typ/Fotograf mit teurer Kameraausrüstung“ Look deutlich. Nach München habe ich nur meine X100T mitgenommen, also war genug Platz für anderes Zeug. Auf Facebook habe ich ein Foto mit all dem Zeug das ich in die Tasche bekommen habe.

Nummer Drei: Meine Kleidung. Ich habe von der Firma COP GmbH Cargohosen und ein paar Cargohemden. Die COP GmbH hat lauter tolles Zeug für Polizei, Rettung und Sicherheitsdienst. Aber da jeder einkaufen kann, nutze ich diese Funktionsbekleidung auch sehr gerne. Ich weiß nicht ob Cargohosen gerade in Mode sind, aber ich liebe es viele Taschen für mein Kleinzeug zu haben. Außerdem habe ich mich noch nie wirklich für Modetrends interessiert. Das Hemd hat zwei innenliegende Taschen, großartig für Reisepass und extra Geld. Außerdem hat es am Rücken Ventilationsöffnungen und einen Mesh-Einsatz. Da ich dazu neige schnell zu schwitzen ist das sehr von Vorteil! 

Damit bin ich für heute am Ende. Bei Fragen oder Anregungen, schreibt mir einfach eine Email an LDA@thatwhiskyguy.com oder hinterlasst mir hier einfach einen Kommentar. Und sollte jemand den Wunsch verspüren mir Sachen zum Testen oder einen Whisky zum Verkosten zukommen lassen zu wollen, einfach eine Mail schreiben!

Slàinte, Lukas

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