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Die zweite Masterclass am Finest Spirits Festival 2016 die ich besuchte (zur Ersten geht’s hier) war von Glenmorangie mit Karen Fullerton. Fünf Whiskys warteten bereits auf uns um verkostet zu werden. Doch zuvor gab’s eine kleine Einführung über Glenmorangie. Da wurde zum Beispiel erwähnt, dass Glenmorangie die höchsten Brennblasen Schottlands hat. Der Hals der Brennblase misst stolze 5,14m (“16 feet, 10 inches and a quater”), da musste ich unweigerlich an Giraffen denken. Sekunden später benutzte Karen Fullterton genau die gleiche Analogie um die immense Größe zu beschreiben. Der erste Whisky den wir verkosteten war die Standardabfüllung “The Original” der Destillerie. Ein edler, schöner Tropfen.

Bereits in den 80er Jahren hatte Glenmorangie begonnen, rund 30 Millionen Pfund (nach heutigem Wert) in die Erforschung von Holz und Fassmanagement investiert. Und auf dieses Wissen baut die Destillerie auch seit langem auf. Die eben verkostete Standardabfüllung wird in 1st fill und 2nd fill ex-Bourbon Fässern gereift. Ein weiterer Beitrag zu der Süße des “The Original” trägt das verwendete Holz bei. Dabei handelt es sich um langsam gewachsenes Eichenholz, welches deutlich mehr Poren aufweist, als ein schnell wachsendes. Dadurch ergeben sich die süßeren Noten im Whisky. Außerdem wird das verwendete Holz nachdem der Baum gefällt wurde, für mindestens 24 Monate luftgetrocknet. Auch dies trägt, so wie besonders hohe Form der Brennblase und dem Wasser – dazu gleich mehr – zum Geschmack von Glenmorangie bei. Des weiteren verbleibt die Erstbefüllung des Fasses – ein Bourbon – für über vier Jahre darin. Erst dann kommt das Fass nach Schottland wo es für den “The Original” (oder für den Milsean, dazu gleich mehr) insgesamt zwei Mal mit 69%igem(!) New Make befüllt wird. Der hohe Alkoholgehalt (normalerweise wird mit 63,5% abgefüllt) bewirkt, das der Whisky deutlich floraler und fruchtiger (Apfel!) wird, so Karen Fullerton.

Weiter zum nächsten Whisky, dem “Private Edition Milsean“. Milsean bedeutet “Süße Dinge” und soll so das zu erwartende Geschmackserlebnis beschreiben. Man könnte den Milsean wohl als den großen Bruder vom “The Original” bezeichnen. Denn nachdem er in 1st fill und 2nd fill ex-Bourbon Fässern gereift wurde, muss zumindest ein Teil, noch für gut zweiendhalb Jahre in getoastete Weinfässer umziehen. Der Unterschied zwischen “charred” und “toasted” liegt in der Eindringtiefe der Flammen in das Holz. Diese ist bei zweiterer Methode deutlich höher und liefert so die gewünschten süßen Toffee Noten im Whisky, weil mehr von dem im Holz verbliebenen Zucker karamellisiert wird. Bei dem anschließenden “vat marrying”, dem Blenden, nimmt sich Glenmorangie auch Zeit, ganze 6 Monate dauert es! Aber das ist nicht das einzige für das man sich bei Glenmorangie Zeit nimmt.

Ein weiterer Faktor bei der Herstellung des Whiskys spielt das Wasser. Glenmorangie besitzt natürlich, so wie jede Destillerie, seine eigene Wasserquelle, die auch für den Geschmack des Whiskys mitverantwortlich ist. Durch die geologischen Gegebenheiten ist dieses Wasser aber sehr hart. Eine schlechte Voraussetzung möchte man meinen, aber das genaue Gegenteil ist der Fall erklärt uns Karen Fullerton während wir am “Glenmorangie 18yo“, dem dritten Whisky der Masterclass, schnuppern. Die Hefestämme die Glenmorangie einsetzt lieben die vielen Mineralstoffe im harten schottischen Quellwasser. Die Besonderheit am 18 jährigen Glenmorangie ist, dass etwa 30% des Whiskys für eine Batch des 18-jährigen nach 15 Jahren im Eichenfass (ex-Bourbon) in ex-Oloroso Fässer umgefüllt werden. Drei Jahre später werden dann diese zusammen mit den anderen 70% aus den ex-Bourbon Fässern vermählt und abgefüllt.

Whisky Nummer Vier, der “Glenmorangie Signet” ist wohl das Highlight dieser Masterclass. Zusammengesetzt aus Whiskys im Alter von zehn bis 35(!) Jahren. Glenmorangie hat auch keine Probleme damit, die Whiskys oder zumindest ihr Alter zu nennen die sie für ihre Single Malts verwenden. Was macht diesen Whisky so besonders? Zum einen das verwendete Malz. Etwa ein Viertel des benötigten Malzes wird nämlich nicht “normal” getrocknet sondern bei 220°C geröstet. Dadurch wird das Malz sehr dunkel, ich fühle mich fast an Kaffeebohnen erinnert, und dadurch erhält man tatsächlich Kaffeearomen, aber auch Schokolade, die sich dann natürlich auch im Whisky wiederfinden. Daher nennt Glenmorangie dieses Malz auch “chocolate malt”. Nachteil dieser Methode: Aus einer Tonne Malz gewinnt Glenmorangie etwa 410 Liter reinen Alkohol, aus der gleichen Menge gerösteten Malz aber nur rund 320 Liter! Aber dieser Verlust an Alkohol ist ein Gewinn an Geschmack, so Karen Fullerton. Ein weiteres Problem: durch die hohen Temperaturen werden alle Enzyme abgetötet, also verwendet Glenmorangie nur etwa 25% des “chocolate malt” und 75% normales Malz. Eine weitere Besonderheit ist die Verwendung von so genannten “Designer-Fässern” aus mindestens 50 Jahre alten, langsam wachsenden Eichen. Und aus eben solch einem Baum kann Glenmorangie nur zwei Fässer herstellen. Das treibt den Preis der Fässer – und damit den des Whiskys – natürlich in die Höhe. Insgesamt werden für diesen Whisky vier verschiedene Fasstypen verwendet. Ungebrauchte Fässer aus amerikanischer Eiche, 1st und 2nd fill ex-Bourbon und Fässer aus spanischer Eiche. Aber alle diese Prozesse dienen dazu, dem Signet seinen unverwechselbaren Geschmack zu geben.

Das war es eigentlich schon. Aber halt, habe ich nicht am Anfang von fünf Whiskys geschrieben, könnte jemand nun einwenden! Richtig, es waren fünf! Als besondere Überraschung gab es dann noch eine Kostprobe aus einem Fass von Glenmorangie. 2003 destilliert, ist dieser Whisky heute 13 Jahre alt und hat 59,1% Alkoholgehalt. Typische Fassstärke also, aber das ist bei so genannten “cask samples” nun mal das spannende daran. Gelagert wurde dieser Whisky in einem stark getoasteten Fass, was sich auch geschmacklich bemerkbar macht. Durch den hohen Grad an “toasting” karamellisiert sehr viel von dem im Holz verbliebene Zucker – wie schon vorher angemerkt – und kann so dem Whisky eine sehr süße Note geben. Bei diesem Whisky ist es durchaus angebracht ein paar Tropfen Wasser hinzu zu geben. Derzeit ist noch nicht geplant diese Fässer abzufüllen, so Karen Fullerton. Aber wir können davon ausgehen, dass dieser feine Tropfen über kurz oder lang in einer sicherlich hervorragenden Abfüllung von Glenmorangie Verwendung finden wird!

Slàinte, Lukas

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