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Die dritte und letzte Masterclass die ich am Finest Spirits Festival 2016 besuchte war die von Bruichladdich. Die Masterclass stand – wie schon die am Salzburger Whiskyweekend 2015 unter dem Motto “We belive terroire matters” – zu Deutsch “Wir glauben, dass es (doch?) auf die Herkunft ankommt”. Was damit gemeint ist, erklärt uns Ewald Stromer, seines Zeichens Brandambassador Deutschland, Österreich & Schweiz. Bruichladdich hat begonnen, neben dem – natürlich – schottischen Quellwasser, nun auch Gerste zu verwenden, die ausschließlich aus Schottland stammt. Kein leichtes Unterfangen, vor allem da es sich um eine nicht unbeträchtliche Menge handelt um die 1.4 Millionen Reinalkohol pro Jahr zu produzieren. Bruichladdich versucht mit seinen Whiskys zu zeigen, ob es vielleicht sogar einen Unterschied macht, ob die Gerste aus den Highlands, den Lowlands oder von Islay kommt.

Beim ersten Whisky handelt es sich um den “Classic Laddie Scottish Barley” in der typisch türkisen Flasche. Frisch und fruchtig, so wie in den Anfängen von Bruichladdich. Es handelt sich dabei um einen so genannten n.a.s. (no age statement) Whisky. Aber keine Sorge, Bruichladdich geht hier einen Weg, den Compassbox bereits begonnen hat zu gehen. Ab April 2016 kann man, sofern man den Batch-Code auf seiner “The Classic Laddie” Flasche zur Hand hat, auf der Seite von Bruichladdich eben diesen Code eingeben und erhält viele Infos zu seinem Whisky. In dem offenen Brief von Simon Coughlin, CEO von Bruichladdich, ist zu lesen, dass neben dem Rezept auch das Abfülldatum, die Anzahl der verwendeten Fässer, sowie die Fassart, die Art des New Makes und der Jahrgang der Fässer zu finden sein wird. Ich finde das großartig und hoffe die SWA bzw. die EU überdenkt die Regularien, die es verbieten solche Infos auf die Flaschen zu schreiben oder im Marketing zu verwenden. Die aktuell verkostete Abfüllung bestand aus einem Großteil 1st fill ex-Bourbon, einigen 2nd fill ex-Bourbon und nur auch dem einen oder anderen Bordeaux Rotweinfass aus sehr edlem Hause! Der Altersbereich ist 7 bis 12 Jahre, in diesem Batch. Jede Batch ist aber anders, so Ewald Stromer, ein Rezept gibt es nicht, nur der Grundcharakter bleibt gleich. Finde ich super spannend. Ich muss definitiv anfangen mehr Whiskys von Bruichladdich zu kaufen!

Weiter geht’s zum nächsten Whisky. Es ist dieser der “Islay Barley 2007“. Bruichladdich bezieht mittlerweilen 65% seiner Gerste von insgesamt 15 Farmen auf Islay, die exklusive für die Destillerie anbauen. Um für die Farmen einen Anreiz zu bieten, einen solchen Exklusivvertrag einzugehen, bezahlt Bruichladdich immer 100% des Saatguts. Das heißt egal wie gut oder schlecht die Ernte ausfällt, die Farmen bekommen immer den Preis den sie für die “volle” Ernte bekämen. Auch wenn sie nur 80% des möglichen Ertrags (oder noch weniger…) abliefern können. Ein großartiges Konzept und ein vorbildlicher Weg den Bruichladdich hier, in einer Welt die immer mehr auf Konkurrenzkampf und Profitmaximierung ausgelegt ist, geht. Der Rest stammt zwar nicht von Islay, aber aus Schottland, wie schon eingangs erwähnt. Die verwendete Gerste in diesem Whisky stammt von der Rockside Farm, deren Felder gleich neben der Kilchoman Destillerie liegen. Die gleiche Gerste wird übrigens auch im “The Classic Laddie” verwendet. Die verwendeten Fässer sind 100% 1st fill ex-Bourbon. Leider läuft dieser sechs Jahre alte Whisky aus und wird durch den “Islay Barley 2009” ersetzt.

Apropos “Islay Barley 2009“, das ist auch schon der nächste Whisky. Der Unterschied zum vorhergehenden Whisky liegt im Detail. Es wurde eine andere Gerste verwendet, das heißt von einer anderen Farm als der Rockside Farm. Konkret wird die Gerste von vier verschiedenen Farmen bezogen. Diese liegen im Vergleich zur Rockside Farm aber im „Inneren“ der Insel, also etwas weiter weg vom Meer. Angesichts der kleinen Inselgröße ist dies aber kein allzu großer Unterschied im Klima. Außerdem werden drei verschiedene Gerstensorten verwendet. Abgesehen vom Geschmack enden die Unterschiede aber auch schon. Abgefüllt wurde dieser Whisky 2015, das macht ihn – so wie schon den 2007er – zu einem feinen sechsjährigen Whisky.

Auf zum nächsten Whisky! Während wir schon vorsichtig am „Black Art 4.0“ schnuppern, erklärt uns Ewald Stromer, dass Bruichladdich begonnen hat, sich gezielt aus manchen Märkten zurück zu ziehen, um einerseits den Stock in den Warehouses wieder aufzubauen (etwas womit viele Destillieren heute kämpfen!) und um mehr Freiheiten beim Experimentieren mit unterschiedlichen Fässern zu haben. Die Geschichte hinter Black Art ist schnell erklärt. In einer hitzigen Diskussion hatte einst Jim McEwan jemand gesagt, dass ein Whiskyliebhaber wissen will, was genau in einem Whisky drinnen ist. Sonst kauft/will er ihn nicht. Und Jim McEwan hat ihm gesagt, dass die Leute ihn trotzdem kaufen und genießen, wenn er gut ist. Auch wenn man nicht genau (oder überhaupt nicht) weiß, was drinnen ist. So hat Jim im Jahr 2008 begonnen, in die Warehouses von Bruichladdich zu gehen und sich ein paar Fässer Whisky genommen hat. Diese hat er dann in andere Fässer umgefüllt und häufig kontrolliert. Sowie er bemerkt hat, dass das Fass einen zu starken Einfluss auf den Whisky nimmt, hat er sie einfach wieder umgefüllt. In welchen Fässern der Whisky bis zu dieser Rochade geschlummert hat ist ebenso ein Geheimnis wie die Fässer in die er dann umgefüllt wurde oder wie oft er umgefüllt wurde. Selbstverständlich sind durch die aktuellen Gesetzgebungen gewissen Grenzen geben. Der Whisky muss natürlich zumindest drei Jahre gelagert sein, und der Alkoholgehalt muss angegeben sein, aber mehr ist bei der Black Art Line nicht bekannt.

Zum Schluss gab es dann – wie schon bei Glenmorangie – eine kleine Überraschung. Eine Kostprobe aus einem 1st fill ex-Oloroso Fass mit dem klingenden Namen “Valinch” (Fassdieb). Dieser Name wird für die Kupferpipette verwendet, mit welcher man den Whisky (oder den New Make) aus dem Fass pipettieren kann um ihn zu probieren. Im übrigen kann man im Besucherzentrum von Bruichladdich sich auch selber aus jeweils einem Bruichladdich oder einem Port Charlotte Fass einen solchen Whisky abfüllen. Das Fass ist immer von Jim persönlich ausgesucht und natürlich in Fassstärke. Diese Kostprobe von Ewald Stromer hatte unglaubliche 63,2% Alkohol!! Diese Info bekamen wir allerdings erst nachdem wir mit der Verkostung begonnen hatte. Die höchsten Tipps unsererseits waren im Bereich von 56%. Die Erklärung für einen solchen weichen und vollen Whisky liegt in der langsamen Destillation von Bruichladdich, so Ewald. Außerdem wird man bei Bruichladdich ein Thermometer vergeblich suchen, die Destillation wird nur nach Gefühl und Erfahrung des Brennmeisters betrieben. Damit hatten wir auch schon das Ende dieser Masterclass erreicht.

Ich muss auf jeden Fall man nach Islay, um Bruichladdich und die anderen Destillerien dort zu besuchen. Ich hoffe meine kleine Artikelserie über die drei Masterclasses hat euch gefallen, bei Fragen oder Anregungen hinterlasst mir einfach hier ein Kommentar oder schreibt mir eine Email! Hier geht’s zur Masterclass vom Whisky Vikar und hier geht’s zur Masterclass von Glenmorangie!

Slàinte, Lukas

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