Click here for the English version

Im August 2014, also lange bevor ich überhaupt mit meinem Blog begonnen habe, besuchte ich mit meinem besten Freund eine Whiskydestillerie in der Slowakei. Dass es in der Slowakei (auch) Whiskydestillerien (zumindest diese eine) gibt, wusste ich bis dahin nicht. Oder zumindest bis ein paar Monate davor, denn da bekam ich von Peter ein kleines (ca. 1L fassendes) Fass und einen slowakischen Whisky mit dem klingenden Namen “Blended Northern Spis Country Whisky”. Das – Eichenholz – Fass sollte zur Veredelung von Whiskys dienen, ich habe es natürlich nicht dafür sondern etwas anderes verwendet, aber darüber schreibe ich in einem anderen Artikel. Aber meine Neugierde war geweckt und ich wollte wissen, wie es in einer slowakischen Destillerie zugeht.

Gleich vorneweg, mit einer schottischen Destillerie hatte diese Destillerie nichts zu tun, aber schön der Reihe nach. Die Destillerie liegt im Nordosten der Slowakei in der Hohen Tatra, unweit der polnischen Grenze. Daher auch der Name des Whiskys, denn das Gebiet heißt auf Slowakisch “Spiš”. Nachdem wir viele kleine Ortschaften hinter uns gelassen hatte, in denen man das Gefühl hatte die Zeit sei so etwa in den 50er oder 60er Jahren stehen geblieben, konnte man die riesigen Silos für das Getreide (Fassungsvermögen 18.000 Tonnen!) bereits von weitem sehen. Wie ich erfuhr, handelt es sich bei dieser Anlage um eine Produktionsstätte für technischen und medizinischen Alkohol. Die Whiskyproduktion läuft erst seit 2007. Da wir uns nicht angemeldet hatte, fand die Führung, welche bereits zehn Minuten vor unserem eintreffen begonnen hatte in der Landessprache statt. Kein Problem, ich hatte ja Peter als Dolmetscher dabei, außerdem sprach der Tourguide auch Englisch, was bei den wenigen Fragen die ich hatte ausreichte.

Die ersten Stationen der Tour mussten wir alleine absolvieren, die Führung hatte ja bereits begonnen und die waren schon fast beim so genannten “Malt House”. Auf dem Weg dorthin wurden die Arbeit des Küfers und des Schmieds – und was diese mit dem Whisky zu tun haben – sowie die Herstellung des Rohstoffs – Gerste – gezeigt. Alles ganz nett mit lebensgroßen Figuren und verschiedensten Handwerkszeugen. Station vier der Ausstellung war eben genanntes “Malt House” in dem – wie der Name es vermuten lässt, das Malz hergestellt wird. Auch einen Darrboden gibt es hier. Allerdings handelt es sich hier nicht um die tatsächliche Produktionsstätte, sondern nur um Ausstellungsstücke, jedenfalls vermute ich dies, der Tourguide konnte mir die Frage nicht genau beantworten. Möglicherweise wird hier das Malz für die Whiskyproduktion tatsächlich bereitet, für den “anderen” Alkohol wird dies nämlich im “Fermenter House”, der nächsten Station gemacht. Dort durfte man keine Fotos machen. Daher vermute ich aber eher, dass die komplette Produktion des Malzes hier stattfindet, ebenso wie das anschließende Fermentieren, die Produktion von Alkohol. Diese Anlage besteht aus mehreren fast 10.000 Litern fassenden Tanks. Alles vollautomatisch gesteuert und nicht viel zu sehen.

Die nächste Station – keine Fotos machen! – war dann die Destillationsanlage. Wieder vollautomatisch, wird hier aus dem bierähnlichen Produkt aus dem “Fermenter House” der Alkohol destilliert. Und zwar fünffach (technisch) und siebenfach (medizinisch). Ich vermute, dass der siebenfach destillierte Alkohol mit Wasser verdünnt in die Fässer abgefüllt wird. Ob dies tatsächlich so ist, sowie den Alkoholgehalt mit dem in die Fässer abgefüllt wird, konnte mir unser sehr bemühter Guide trotzdem nicht sagen. Dafür war er ganz stolz, dass die Destillerie den medizinischen Alkohol mit einer Reinheit von bis zu 99,98% anbietet. Jedem Chemiker – wie mir – ist klar, dass Alkohol mit mehr als 96% sehr schwer herzustellen ist. Hat etwas mit Azeotropen zu tun und hat mit physikalischer Chemie zu tun. Die tägliche Produktionsmenge beträgt rund 35.000 Liter, wie viel davon zu Whisky wird konnte ich ebenso nicht in Erfahrung bringen. Es lagern jedoch rund eine Million Liter Whisky (oder noch New Make) in den Fässern, aufgeteilt auf vier Warehouses.

Und genau dorthin führte uns auch schon der Weg. An eines der Warehouses angeschlossen und nur durch eine Glasscheibe getrennt von den Fässern gibt es den so genannten “Schnitzerraum”. Dort hängt, nach eigenen Angaben, das größte handgeschnitzte Bild Europas. Ein wundervolles Meisterwerk! Ich wäre enttäuscht gewesen, hätte es nicht noch eine Verkostung gegeben. Nun ja, zumindest ein Gläschen – ein Tumbler – stand mit dem Standardprodukt der Destillerie bereit. Wenigstens war kein Eis drinnen, aber es stand bereit. Auf dem Weg nach draußen, kamen wir natürlich auch noch durch den Shop, der von T-Shirts, über Hüte und Schirmkappen bis hin zu Kugelschreibern alles bot. Auch ein paar Whiskys. Ich habe mir eine 5 jährige “Single Barrel” (so wird die Einzelfassabfüllung bei ihnen genannt) Abfüllung sowie eine “Special Edition” gekauft. Letztere wurde 2008 destilliert und 2014 abgefüllt. Ein sechsjähriger Whisky also, aus den Anfängen der Destillerie. Davon gab es nur 400 Flaschen und ich habe die letzte verfügbare bekommen.

Mein Fazit: Mit einer schottischen Destillerie hat diese (leider) nichts zu tun, wie schon zu Beginn bemerkt. Für den Whiskyinteressierten bietet der kleine Rundgang aber durchaus einen interessanten Einblick in die Machart des Whiskys, wenngleich es mehr ein Museum als eine Destillerie ist. Für den Technikbegeisterten ist der Rundgang ebenso interessant, so leicht kann man eine solche Industrieanlage nicht besichtigen. Zu den Whiskys: Die beiden Spezialabfüllungen stehen noch ungeöffnet daheim und ich weiß nicht, ob ich diese öffnen soll, nachdem ich den „Blended Northern Spis Country Whisky“ letztens am Abend verkostet habe und den ganzen nächsten Tag noch Kopfschmerzen davon hatte (es waren tatsächlich nur etwa 2cl). Hier geht es zu meinen vernichtenden Tastingnotizen.

Slàinte, Lukas

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s