Click here for the English version

Ich habe mich entschieden auf meiner Seite den Begriff “Masterclass“ allgemein für (Whisky) Verkostungen zu verwenden. Unter dem Begriff “Tasting“ hingegen poste ich Verkostungsnotizen diverser Edelspirituosen – allen voran natürlich Whisky. Im Normalfall findet man Masterclasses auf den diversen Whiskymessen und nach der Definition in Wikipedia (Zitat: “Meisterklassen sind im künstlerischen Hochschulbereich besondere Lehrveranstaltungen von renommierten Künstler-Professoren“) trifft das in diesem Bereich sicherlich zu. Mögen auch bei Verkostungen außerhalb dieser Veranstaltungen nicht immer hochkarätige Redner die Verkostung leiten (was auch bei den Whiskymessen nicht der Fall sein muss), finde ich es richtig, diese auch unter dem Begriff “Masterclass“ zusammen zu fassen. Nun aber zum Japan & Taiwan Whisky Tasting – Verzeihung Masterclass – mit den L&P Whisky Consultants.

Whiskys aus Japan und Taiwan sind bereits seit einigen Jahren groß am kommen, auch wenn sie bei uns teilweise schwer zu bekommen sind. Jim Murray kürte im Jahr 2015 den “Yamazaki Sherry Cask 2013” als den Whisky des Jahres. Diesen hatten wir aber nicht im ersten Glas, sondern den “Yamazaki Single Malt Distiller’s Reserve“. Was für ein Aufschrei ging durch die Whiskywelt als ein japanischer Whisky zum Weltbesten Whisky (Jim Murray’s Meinung nach, was viele übersahen!) gekürt wurde. Zumindest im schottischen Teil. Aber es muss gesagt werden, die japanischen Whiskys sind durchaus gut. Abgesehen davon, dass sie eben etwas schwerer bei uns zu bekommen sind und verhältnismäßig teuer sind, brauchen sie sich nicht zu verstecken. Aber eine Erfahrung habe ich mit diesen Whiskys gemacht. Sie brauchen deutlich mehr Zeit beim Verkosten als viele andere Whiskys. Woran das liegt, kann ich aber nicht festmachen.

Whisky Nummer zwei war ebenfalls ein Japanischer. Um genau zu sein der “Hakushu Single Malt Distiller’s Reserve“ der, ebenso wie der Yamazaki, aus dem Hause der Suntory Brennerei stammt. Diese Brennerei kommt übrigens auch im Film “Lost in Translation“ vor, wo man die Werbung “It’s Suntory time“ – zu Deutsch: “Es ist Zeit für Suntory“ – immer wieder sehen kann. Der erste Whisky wurde in der Yamazaki Destillerie produziert, dieser passenderweise in der Hakushu Destillerie. Beide Whiskys – so wie die übrigen vier auch – sind n.a.s. Whiskys, also ohne Altersangabe (no age statement). Etwas das nicht nur bei schottischen und irischen Whiskys in letzter Zeit immer beliebter wird.

Whisky Nummer drei – wir sind noch immer in Japan – war der “Hibiki Japanese Harmony“, ein Blend aus Malt und Grain Whiskys aus den Destillerien Yamazaki, Hakushu und Chita die alle Suntory gehören. So wie oftmals angenommen wird, dass n.a.s. Whiskys eher auf “schlechtere“ Qualität deuten – was die Tastingnotizen aber durchaus wiederlegen – wird einem Blend ähnliches nachgesagt. Zugegeben, meist – oder fast immer – sind Blends eher einfacher und nicht so komplex wie Single Malts, aber eben nicht immer. Und gerade im Osten wird es eher als Kunst angesehen, jedes Jahr den neuen Batch an Blended genau so hinzubekommen wie die letzten Jahre. Weniger so beim Single Malt, da der Kunde hier durchaus Unterschiede erwarten kann bzw. darf. So wie zum Beispiel bei Bruichladdich, wo nur der Grundcharakter des “Classic Laddie Scottish Barley” gleich bleibt, aber der Geschmack von Batch zu Batch variieren kann (siehe auch meinen Artikel zur Bruichladdich Masterclass).

Nun ging es aber weiter vom Land der aufgehenden Sonne Richtung Süd-Westen nach Taiwan. Whisky Nummer vier (so wie fünf und sechs) stammt von Kavalan, einer taiwanesischen Destillerie. 2015 sorgte Kavalan mit seinem “Kavalan Solist Vinho Barrique” für Aufsehen, als er in einer Blindverkostung … Nein, dazu später mehr, jetzt kommt der “Kavalan Single Malt“. Wie schon erwähnt ein n.a.s. Whisky, wir dürfen aber davon ausgehen, dass die verwendeten Whiskys (aufgrund des Klimas in Taiwan) eher jüngeren Alters sind. Das dies nicht schlecht sein muss, zeigen wieder einmal die Tastingnotizen zu diesem und den anderen Whiskys dieser Masterclass.

Weiter ging es mit dem “Kavalan Single Malt Concertmaster Port Cask“. Den konnte ich, wie auch den nächsten (und letzten) Whisky bereits auf dem Salzburger Whisky Weekend (schon zum Vormerken, das nächste ist am 7. und 8. Oktober 2016 in den Salzburger Kavernen 1595) probieren. Unterschied zum “normalen” Single Malt: Er wurde in Port Wein Fässern (für eine nicht näher genannte Zeit) gefinished. Ich bin generell ein Fan von Whiskys die in Port/Sherry/Wein Fässern gelagert oder gefinished wurden. Leider ist gerade beim Finishen nicht immer der Einfluss des Fasses feststellbar, was ich persönlich schade finde. Zuletzt war dies der Fall beim „Kilchoman Single Cask release 679/2015“, den ich auf der Whisky Show 2015 in London probiert habe (hier geht’s zum Artikel). Aber bei diesem Whisky ist der Einfluss auf jeden Fall spür- bzw. schmeckbar!

Den krönenden Abschluss bildete der Weltmeisterwhisky “Kavalan Solist Vinho Barrique“. Bei den World Whisky Awards wurde er 2015 zum Weltbesten Single Malt, Besten asiatischen Single Malt und zum Gesamtsieger in der Kategorie Single Malt Whisky gekürt. Auch hier waren viele überrascht, aber im Gegensatz zu Jim Murray spiegelt dieses Urteil das einer internationalen Fachjury wieder und nicht die Meinung eines Einzelnen, ohne dass ich sein Wissen und seine Integrität in irgend einer Weise schmälern oder infrage stellen möchte! Wenn ich eines Tages mit meinem Blog und meiner Seite da bin, wo Jim Murray heute ist (oder Michael Jackson vor seinem Tod war), bin ich mehr als zufrieden und glücklich 😉 Ich weiß nicht wie Jim Murray seine Whiskys verkostet, aber bei den WWA handelt es sich um eine Blindverkostung. Die Juroren wussten also nur, dass sie Whisky im Glas haben, aber nicht welchen. Und da es sich um eine internationale Fachjury handelt, waren da mit Sicherheit auch einige Schotten dabei, die diesem Whisky – auch – gute Noten gegeben haben müssen. Die Verkostungen der SMWS-AT laufen auch so ab, Thomas Unterguggenberger -Präsident der SMWS-AT –  hat das Einschenken aus den grünen Society Flaschen (die sich nur am Text auf dem Etikett unterscheiden) so perfektioniert, dass man unmöglich sehen kann welchen Whisky er gerade einschenkt. Das einzige das wir wissen ist, dass es sich um einen Whisky aus dem aktuellen Outturn handelt. Und mit Hilfe genau diese Outturns versuchen wir den richtigen Whisky zu erschmecken. Aber das ist Stoff für einen weiteren Artikel (das nächste SMWS Tasting in Wien ist am 21.Mai).

Abschließendes Fazit: Die Whiskys aus dem Land der aufgehenden Sonne (und natürlich auch aus Taiwan) brauchen sich vor den Whiskys aus anderen Ländern – allen voran natürlich den Irischen und Schottischen – nicht verstecken. Längst sind diese Whiskys von einem exotischen „Einmalerlebnis“ zu einem – wenn auch nicht immer bzw. nicht immer einfach – durchaus für die breitere Mehrheit interessanten Produkt geworden. Natürlich haftet ihm noch immer eine gewisse Exklusivität an, aber das trifft auch auf den einen oder anderen Whisky aus schottischem, amerikanischen, irischen, … Hause auch zu! Meine Empfehlung: Wenn sich die Gelegenheit ergibt einen Whisky aus Japan oder Taiwan zu probieren, einfach ergreifen!  Es lohnt sich definitiv. Aber ein bisschen Zeit sollte man schon mitbringen!

Slàinte, Lukas

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s