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Abschluss meiner Serie über das Austrian Whisky & Spirits Festival 2016 bildet die Masterclass von Bruichladdich. Nachdem ich die „We belive terroir matters“ Masterclass bereits am FSF in München besucht hatte, entschied ich mich für „All about peat“ da ich hoffte den streng limitierten (und leider auch schon ausverkauften) Octomore 7.4 verkosten zu können. Zwar, so sagte mir Ewald Stromer – Brand Ambassador von Bruchiladdich, seid die erste Masterclass von Bruchladdich ein wenig anders – zumindest was die Auswahl an Whiskys betraf – als die in München, aber dieses Mal sollte es rauchig sein. Nach dem Privatissimum der Beam Legends Masterclass, war diese gut Besucht, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass amerikanische Whiskeys bei uns noch immer ein gewisses Nischendasein frühen.  Zu Unrecht wie ich finde, aber wie es schon Marcel in der Masterclass gesagt hat, sollten wir von den Medien auch Botschafter für amerikanische Whiskeys sein und zeigen, dass es neben den „üblichen“ Whisk(e)y-Cola Whisk(e)ys auch Amerikanische gibt, die man pur genießen kann. In Cocktails dagegen, werden die amerikanischen Whiskeys bereits geschätzt und gerne verwendet.

Etwas stutzig wurde ich, als ich Platz genommen hatte. Sechs Gläser, aber nur vier Whiskys auf dem Blatt (ja, der Octomore 7.4 war dabei, so wie sein „kleiner“ Bruder der Octomore 7.1)?!? Naja, in dem einen ist getrocknete Gerste, aber was ist der fünfte Whisky? Wir begannen diese Masterclass mit einem kurzen Exkurs darüber, was denn Torf sei. Eigentlich, so Ewald, sei Torf ja nichts anderes als Dreck, etwas vornehmer ausgedrückt Humus, woraus Islay zu gut 80% besteht. Ironischer Weise verwendet Bruichladdich Torf aus den Highlands, was auch damit zu tun hat, dass dieser Torf die gewünschten und schönen mineralischen Noten in den Whisky von Bruichladdich bringt. Islay Torf ist da schon mehr maritimer, das liegt wohl an der kleinen Ausdehnung der Insel – obwohl sogar hier zwischen Torf von der Küste und vom „inneren“ der Insel unterschieden wird.

Ewald führte wie gewohnt äußerst unterhaltsam durch diese Masterclass. Vor rund zwanzig Jahren gab es so gut wie keine getorften Whiskys. Nachdem Islay keine (nennenswerte) Wälder hatte (und hat), musste seit je her Torf zum Trocknen der gemälzten Gerste herhalten. Die Blendingindustrie nutzte die getorften Whiskys gerne, um würzige Noten in die Blends zu bekommen. Aber einen richtigen Boom an getorften (Single Malt) Whiskys erleben wir erst seit einigen Jahren. Bemerkbar unter anderem daran, dass über 50% der in der Schweiz verkauften Bruichladdichs Octomore sind! Schnell klärte sich auch auf, warum wir fünf Whiskys am Tisch hatten. Nachdem wir den Port Charlotte Scottish Barley und Islay Barley verkostet hatten, gab es einen Valinch der nicht auf unseren Verkostungsnotizen stand.

Ewald beim “altern” des Port Charlotte Scottish Barley mittels E150

Das Wort selbst bezeichnet die kupferne Pipette, mit welcher der Whisky aus dem Fass entnommen wird um ihn zu verkosten. Außerdem bedeutet es so viel wie „Fassdieb“, auch sehr passend. Diese Whiskys, es gibt immer einen ungetorften den ein Mitarbeiter aus der Destillerie ausgesucht hat und einen von Port Charlotte, sind immer Einzelfässer und nur in der Destillerie selbst erhältlich. Bruichladdich färbt, so wie viele andere Destillerien auch, seine Whiskys nicht. Besonders anschaulich, wie man aus einem „einfachen“ Whisky (in diesem Fall dem Islay Barley) einen super alten, raren Whisky macht, demonstrierte uns Ewald mit dem eben genannten (goldgelben) Whisky und E150, vulgo Zuckercouleur. In seiner gewohnt erfrischen fröhlichen Art sprach er, wie viele Rotweinfässer, ja sogar PX Fässer für diesen Whisky verwendet wurden – NICHT. Aber nach nur ein paar Tropfen E150 glaubten wir es ihm. Die Farbe lügt doch nicht, oder? Wir hatten jedenfalls einen Heiden Spaß bei dieser Mixing-Demonstration von Ewald. Über das Thema Färben (und dem Filtrieren; gefärbte Whiskys müssen filtriert werden, sonst können sie eintrüben) schreibe ich ein anderes Mal.

Zurück zu Bruichladdich, genauer gesagt zum Octomore. Dieser Whisky ist der Inbegriff für Torf, Rauch, brennende Autoreifen und Eisenbahnschweller (nicht nur meine Worte, Ewald benutzte das eine oder andere auch zu Beginn der Masterclass!). Am Grund der Octomorefarm, auf welcher sich übrigens auch die Quelle von Bruichladdich befindet, wurde im 18. und 19. Jahrhundert Whisky (schwarz) gebrannt. Der Octomore ist eine Hommage der Destillerie an den Farmwhisky von damals. Wie schon erwähnt, nutzten die Brenner (so auch die Schwarzbrenner der Octomorefarm) auf Islay Torf zum Trocknen. Die gemälzte Gerste für den Octomore muss volle sechs Tage(!) im Torfrauch aushalten. Die Temperatur wird jedoch recht niedrig gehalten. Vorteil dieser Trocknungsart ist, dass das Gerstenkorn langsam von innen nach außen trocknet. Port Charlotte Whisky wird zwar auch sechs Tage getrocknet, aber nur zwei davon mit Torf. Die astronomisch hohen Phenolwerte (169ppm, 208ppm, 248ppm) werden – abgesehen von der Trocknungsdauer (die aber beim Octomore immer gleich ist) – nur von zwei Faktoren beeinflusst, nämlich der Geste und dem Torf. Beides ist ein Naturprodukt und nie gleich. Beim Torf ist zwar eine sehr hohe Konsistenz gegeben, aber die Gerstenqualität variiert (auf einem sehr hohen Niveau) immer etwas. Mal ist das Wetter trockener, mal feuchter. Der Endgültige Gehalt an Phenol wird nach dem Trocknen bestimmt, darauf haben die Jungs von Bruichladdich keinen Einfluss. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es ihnen vielleicht gelungen ist, die 300ppm Marke zu knacken, oder auch nicht. Lassen wir uns überraschen was die Version 8 (oder 9, oder 10, …) des Octomore bringen wird! Die Gerste in dem Glas war übrigens die, die für den Octomore verwendet wird. Nicht nur der Geruch ist unglaublich, sie schmeckt auch sehr interessant!

Slàinte, Lukas

Teil 1 –  Austrian Whisky & Spirits Festival in Linz
Teil 2 – Die Single Cask Collection am AW&SF
Teil 3 – Die Alba-Collection am AW&SF
Teil 4 – Masterclass: Single Cask Collection
Teil 5 – Masterclass: Bourbon Legends

Verkostete Whiskys

Port Charlotte Scottish Barley (6-11yo; 50%)
Farbe: Goldgelb
Nase: Rauchig, süß & malzig, Rauchfleisch
Gaumen: Zitrone & Toffee, sehr süß
Abgang: lange wärmend
Körper: mild & voll

Port Charlotte Islay Barley (6yo; 50%)
Farbe: Goldgelb
Nase: Torf & Toffee, Zitrone(!)
Gaumen: sehr viel Rauch, etwas Toffee und Selchfleisch, einige Gewürze und etwas Zitrone
Abgang: lange & wärmend
Körper: voll

Valinch Port Charlotte (10yo; 58,6%)
Farbe: dunkles Gold/Bernstein
Nase: würzig & frisch, Zitrone & Schokolade, verhaltener Torf
Gaumen: sehr würzig, Toffee
Abgang: lange wärmend
Körper: rund & mild

Octomore 7.1 (5yo; 59,5%)
Farbe: Golden
Nase: Selchfleisch & Torf, aber sehr mild
Gaumen: Selchfleisch, würzig, trotzdem weich und mild
Abgang: lange
Körper: mild & rund

Octomore 7.4 (7yo; 61,3%)
Farbe: Bernstein
Nase: Süß & Bitter, würzig, Toffee, frisch & rauchig
Gaumen: Pfeffer, sehr ölig, weich, Toffee & Eiche
Abgang: sehr lange & wärmend
Körper: intensiv & rund

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