Vom 18. Bis 20. Mai lockte das waldviertelpur Festival wieder nach Wien. Dieses Jahr schon früher als in den vergangenen Jahren und auch nicht mehr am Heldenplatz, sondern am Rathausplatz. Eine gute Entscheidung, auf ihrer Facebookseite berichten die Veranstalter von über 100.000 Besuchern. Schon am Abend des ersten Tages, als ich mich unter die Interessierten mischte, war der Bär los, wie man so schön sagt. Vertreten war alles, was mehr oder weniger ins Waldviertel gehört beziehungsweise dort ansässig ist. Mich haben natürlich die (Whisky) Brennereien interessiert. Deren waren vier zu finden. Die Whiskydestillerie J. Haider, die Waldviertler Granit Destillerie, die Destillerie Weidenauer und natürlich (meine Lieblingsdestillerie) die Destillerie Rogner.

Mein erster Stopp galt natürlich dem Stand von Hermann Rogner und seinen köstlichen Whiskys. Neben diesen hatte er auch einige Gins, inklusive dem Gin for the Queen, dabei, sowie ein paar andere Liköre. Ich gönnte mir den Rogner 3/3, ein Whisky aus drei verschiedenen Getreidesorten. Nachdem ich ein paar Worte mit Hermann und auch Wolfgang, von den L&P Whiskyconsultants der Hermann und seiner Frau an diesem Tag aushalf, gewechselt hatte, zog ich weiter um die drei anderen Stände zu begutachten. Besonders gut gefällt mir an Hermanns Whiskys, dass diese wundervolle Schokoladen und Nougat Noten haben. Trotz des recht jungen Alters ist kaum Holz vernehmbar, zumindest nicht in dem Ausmaß wie ich es von manchen Bourbons kenne.

Nächster Halt, die Destillerie J. Haider. Es war recht viel los am Stand, daher beschränkte ich mich zuerst darauf, zu sondieren ob es wohl wieder eine etwas speziellere Abfüllung, so wie letztes Jahr – gereift in einem Grüner Veltliner Eisweinfass – gibt. Ich musste jedoch feststellen, dass es nur die Standardabfüllungen Rye, Rye Malt, Dark Rye Malt, Single Malt und Dark Single Malt zu verkosten gab. Ob neue Whiskys geplant sind oder andere Neuigkeiten konnte ich der netten jungen Dame aber auch nicht entlocken, also weiter zum nächsten Stand. Der gab leider auch nicht allzu viel her, das lag aber daran, dass hier der Andrang noch größer war und die beiden von der Weidenauer Destillerie im wahrsten Sinn der Wortes alle Hände voll zu tun hatten, die durstigen Kunden mit Gebranntem zu versorgen. Ich konnte aber ein paar kleine Drams ergattern, sie verwenden neben Mais und Dinkel auch Hafer, was noch recht einzigartig in Österreich ist. Das Getreide kommt aus der eigenen Landwirtschaft und sie setzen gerne – so wie Glenmorangie – sehr dunkel geröstetes Malz ein. Das bringt Schokolade Noten, wie der Kenner weiß und das schmeckt man auch. Neben Dinkel und Hafer Whiskys haben sie auch Dinkelmalz und Hafermalz (ca. 2/3 Malzanteil), sowie Mais Whiskys. Ich habe mich entschieden eine kleine Kostprobe für daheim mitzunehmen, einen Haferwhisky, der etwa fünf Jahre im Eichenfass lagern musste, dann für gut 2 Jahre in einem Süßweinfass. Bin schon sehr gespannt.

Zum Abschluss war ich noch bei der Waldviertler Granit Destillerie. Dort nahm sich Günther Mayer, in einer schottischen Destillerie hätte er wohl den Titel des Master Distillers, einige an Zeit für mich. Ob ich denn eine bestimmte Whiskyregion oder Art bevorzuge, fragte er mich. Islay und die Highlands war die Antwort, „Dann würde mir wohl der Torfrauch Dinkelmalz Whisky schmecken“, meinte er. Aber es wäre wohl klüger zuerst den anderen – ungetorften – Mais-Roggenmalz Whisky zu probieren. Also bekam ich zuerst den 5-jährigen ungetorften Whisky ins Glas. Ja, dass es ein Whisky aus Mais und Roggen ist, kann er nicht verleugnen. Süß (vor allem Schokolade!), ein wenig Holz, weich, man könnte fast meinen einen Premiumbourbon im Glas zu haben. Obwohl es dann ein Rye sein müsste, da mehr als 50% Roggen in der Maische waren, aber das tut dem Geschmack keinen Abbruch und es ist ja kein amerikanischer Whiskey. Nachdem ich mit einem Schluck Wasser (Sehr aufmerksam von Günther Mayer, da kennt jemand die Whiskyetikette) mein Nosingglas, ja ich hatte mein eigenes Glas mitsamt dem Halsgurt mitgebracht, ausgeschwemmt hatte, ging es an den getorften Whisky. Sechs Jahre lang musste er in einem neuen Fass aus Mannhartsberger Eiche schlummern, bevor er mit 42% abgefüllt wurde. Gedarrt wurde das Dinkelmalz mit echtem österreichischem Waldviertlertorf. Sicher keine sechs Tage wie das Malz für den Octomore, aber nach dem ersten Schnuppern und kosten kam mir sofort Lagavulin in den Sinn. Günther konnte es nicht lassen, zu betonen das dies der wohl torfigste Whisky Österreichs sei. Es war jedenfalls mein erster getorfter österreichischer Whisky und mein Urteil lautet: Der kann was! Weiter so! Er hat auch schon ein paar andere Ideen, ein Fass von Jack Daniels sowie einige Sherry Fässer sind da involviert, ich muss auf jeden Fall mal bei Ihm in der Destillerie vorbei schauen. Vielleicht darf ich ja dann auch in das Lagerhaus wo schon rund 10.000 Liter New Make bzw. Whisky schlummern…

Slàinte, Lukas

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