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Und hier geht’s zu Teil 1

Im zweiten Teil meines Artikels über das Färben (und Filtrieren) von Whiskys befassen wir uns zuerst damit, warum ein Whisky überhaupt filtriert werden muss. An sich wird so gut wie jeder Whisky filtriert. Das Fass, in welchem er reifen durfte, ist ein Naturprodukt und hat schon einiges erlebt, wie wir im ersten Teil bereits festgestellt haben. Das sich im Zuge der Lagerung und vor allem dem Handling, sprich herumrollen, Holzstückchen lösen können und werden, ist klar. Genau das, klar, ist aber auch das fertige Produkt. Einzig der unabhängige Abfüller Blackadder bietet Whisky an, der völlig unfiltriert ist und vertreibt diesen unter dem Namen „Raw Cask“. Meines Wissens nach ist Backadder aber auch der einzige Abfüller überhaupt, der zumindest bei einem Teil seines Portfolios komplett auf Filtration verzichtet. Und ja, in diesem Whisky schwimmen tatsächlich Holzstückchen rum.

Was bedeutet es nur, wenn auf einem Whisky non chill filtered oder n.c.f.zu lesen ist. Filtriert ist dieser Whisky schon, aber eben nicht Kältefiltriert (chill filtered). Diese Extra-Info soll den Konsumenten informieren, dass das Produkt eben nicht auf etwa Null Grad abgekühlt und dann filtriert wurde. Bei dieser Abkühlung beginnen vor allem Ester, Fettsäuren und Proteine auszufallen. Zusammen mit den Holzstückchen verbleiben diese dann im Filter. Das wiederum führt dazu, dass sich der Geschmack des Whiskys ändert. Denn eben diese (und auch andere) Substanzen tragen (auch) Geschmacksstoffe und somit zum Gesamtbild des Whiskys bei. Bei einer „normalen“ Filtration hingegen bleiben die meisten dieser Stoffe in Lösung, sprich im Whisky.

Kommen wir nun zu den (guten?) Gründen, warum eine Kaltfiltration oder eine Färbung nicht unbedingt schlecht sein müssen. Ich persönlich sehe das so: Bei Blended Whiskys verstehe ich die Politik der Destillerien, dass das Produkt immer gleich sein soll. Hauptsächlich um dem Kunden nicht immer wieder auf’s neue erklären zu müssen, warum dieser Batch etwas heller ist als jener, den er vor zwei Jahren gekauft hat. Zudem werden Whiskys dieser Kategorie (aber leider auch immer mehr Single Malts) gerne mit 40 bis 46% Alkohol abgefüllt. Zusammen mit der Färbung kann dies bewirken, dass unter Einwirkung von tiefen Temperaturen der Whisky trüb wird. Bei ungefärbten und unfiltrierten Whiskys (egal ob in Fassstärke oder nicht) kann dies auch passieren, aber die Trübung verschwindet wieder, wenn die Temperatur steigt. Prinzipiell ist diese Trübung also nichts schlechtes oder bedeutet bedeutet gar, dass der Whisky von minderer Qualität wäre, das genaue Gegenteil ist der Fall.

Ist der Whisky jedoch gefärbt, kann diese Trübung, die übrigens auch durch (zu starke) Verdünnung mit Wasser eintreten kann, auch bestehen bleiben. Dann kann man den Whisky nur noch entsorgen, schmecken wird er nicht mehr. Und um dem vorzubeugen, wird gefärbter Whisky (soweit ich das weiß) immer kältefiltriert. Daher habe ich auch prizipiell kein Problem damit, wenn Destillerien ihre Produkte färben und kältefiltrieren. Ich empfinde es jedoch als schade, denn ich finde es viel aufregender und schöner, wenn ich weiß, dass die Farbe einzig und alleine durch die Lagerung im Fass entstanden ist. Mich stört es auch nicht, wenn der Whisky von vor zwei Jahren eine andere Farbe hat als der aktuelle (Abgesehen davon, halten die Whiskys bei mir nicht so lange. Mir fehlt daher der Vergleich, wie groß oder klein die Unterschiede wirklich sein können). Aber  jeder der schon n.f.c. Whiskys getrunken hat weiß, wie weich, ölig und lange am Gaumen diese sein können. Nun, dafür sind genau die Bestandteile (vor allem die Fettsäuren) verantwortlich, die durch die Kältefiltration herausfiltert werden.

Als Mitglied der SMWS und bekennender Fassstärkenliebhaber mag man mir vorhalten, dass ich in der Frage „gefärbt oder nicht gefärbt?“ mit Sicherheit nicht objektiv sein kann. Das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall! Ja, ich bevorzuge n.c.a. (no colour added) und n.c.f. (non chill filtered) Whiskys. Whisky ist in unserer Gesellschaft ein Luxusgut, was man zuletzt nicht nur an den Preisen sieht. Und warum sollte ich nicht das trinken, was mir schmeckt? Ich bin ein von Natur aus neugieriger Mensch und noch dazu Wissenschaftler. Es wäre gegen meine Natur, wenn ich nicht schon alleine aus Wissensdurst jeden Whisky probiere, an den ich kommen kann. Ob gefärbt oder ungefärbt, ob in Fassstärke oder Trinkstärke. Beeinflusst mich die Information ob der Whisky gefärbt ist oder nicht in meiner Entscheidung? Natürlich tut sie das, aber nur weil ein Whisky gefärbt ist, lehne ich ihn grundsätzlich nicht ab. Ich probiere jeden Whisky zumindest zwei Mal. Schmeckt er mir beim ersten Mal nicht, gebe ich ihm, sofern möglich, noch eine zweite Change. Es könnte ja sein, dass ich einen schlechten (Tasting) Tag hatte und nicht der Whisky. Und wenn er mir dann noch immer nicht schmeckt, ist das auch in Ordnung. Es gibt mit Sicherheit genau so viele (oder sogar noch mehr) verschiedene Geschmäcker wie es Whiskys am Markt gibt.

Ich habe mal einen guten Ausspruch zu gutem und schlechtem Whisky gelesen, manche schreiben es William Faulkner zu, manche Raymond Chandler, egal wer der Urheber sein mag, es lohnt sich jedenfalls diese Weisheit zu teilen. „Es gibt keinen schlechten Whisky, nur guten Whisky und nicht so guten Whisky!“ (oder machmal: „Es gibt keinen schlechten Whisky, manche Whiskys sind einfach besser als andere.“)

In diesem Sinne,
Slàinte, Lukas

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